Lob und Tadel – Wer kennt nicht den unausgesprochenen aber dennoch deutlich spürbaren Druck an der Supermarktkasse, wenn der kleine Engel einen Wutanfall bekommt, weil er das Ü-Ei nicht bekommt? Otto-Normalverbraucher befindet nun per Ferndiagnose, dass diesem Tyrannen dringend ein Machtwort gesprochen werden müsste, denn sonst lernt er es ja schließlich nie.

Diese immer noch weit verbreitete Annahme hat ihre Wurzeln zum einen in der
„schwarzen Pädagogik“, die in unseren Kulturkreisen bis in das 20. Jahrhundert
hinein selbstverständlicher Status Quo war – Stichwort Prügelstrafe und andere
harte, entwürdigende Sanktionen gegenüber einem Kind, das sich nicht an
Anordnungen von Autoritäten hielt. Auch wenn die Meisten unserer
Elterngeneration als Kind glücklicherweise nicht mehr geschlagen wurden, so
wirkt diese Sozialisation immer noch in uns.

Dazu kommt, dass viele der aktuell gängigen pädagogischen und psychotherapeutischen
Konzepte ihre Wurzeln in der Lerntheorie nach Skinner haben. Skinner zeigte u.a.
an Ratten, dass diese ein bestimmtes Verhalten wiederholten, wenn dies belohnt
wurde (bspw. immer wieder auf einen Knopf drücken, wenn sie daraufhin Futter
bekommen). Außerdem unterließen die Tiere ein Verhalten, wenn dieses bestraft
wurde (bspw. auf einen Knopf zu drücken, wenn sie daraufhin einen Stromschlag
bekamen) – die klassische Konditionierung.

Auf dieser Grundlage basiert die so weit verbreitete Annahme, dass ein Kind etwas
wiederholt, wenn ich es dafür belohne (wie die Ratten mit Futter). Und dass es
etwas unterlassen wird, wenn ich es dafür bestrafe (wie die Ratten beim
Stromschlag).

Paradigmenwechsel, bitte!!

Es erscheint doch irgendwie perfide, dass die Erkenntnisse, die an Ratten
gewonnen wurden, auf Kinder übertragen werden könnten.

Zum anderen ist diese negative Grundhaltung gegenüber unseren Kindern erschütternd.
Die Tatsache, dass ich aufgrund einer, sorry Skinner!, veralteten Theorie! mein Baby nun bestrafen soll,
weil ja meist aus einer Hilflosigkeit oder Überforderung heraus in destruktive
Verhaltensweisen verfällt – das ist nicht stimmig.

Warum vom schlechtesten in unseren Kindern ausgehen?

Warum davon ausgehen, dass ein Kind wieder um sich schlägt, wenn es dafür nicht
bestraft wird? Oder, verzeiht bitte! Bestrafung, davon ist in modernen
Erziehungsratgebern natürlich nicht mehr die Rede. –  sondern von Auszeiten. Oder natürlichen
Konsequenzen – unterm Strich; Bestrafung und Liebesentzug.

Wer sagt, dass ein Kind nicht ebenso zu einer Einsicht kommen kann, wenn ich ihm erlaube, seine Emotion zu durchleben und versichere, dass meine Liebe gewiss ist? Klingt das nicht nach einer viel effizienteren Lernumgebung? Bedürfnisorientierte Erziehung bedeutet auch die Bedürfnisse eines Kind zu berücksichtigen, die es zum lernen benötigt. Warum muss ein Kind erzogen werden? Oder doch lieber unerzogen?

Meine Erfahrung ist, dass die Intensität der Konfliktsituationen nur noch heftiger
wird, wenn ich dagegen geh. Für mein Kind und für mich. Wohingegen es für alle
sanfter und meist auch schneller vorrübergeht, wenn ich mein Kind in anerkenne.
Es halte. Ihm meine Liebe versichere, auch wenn es sich gerade nicht sozial
verträglich verhält. Dann entsteht ein Gefühl der Verbundenheit. Liebe. Und
Nähe. Auf dieser Grundlage ist mein Kind am Ende dann auch wirklich bereit,
meine Rückmeldung aufzunehmen.

Hierfür braucht es Vertrauen – Vertrauen in mein Kind, auf seinen Weg. Vertrauen
darauf, dass es bspw. nicht gefährdet ist, auf die schiefe Bahn zu kommen, da
es mit 4 Jahren um sich schlägt. Oder mit 16 Jahren auf die Schule pfeift. (Eine
wirkliche Hilfe ist es hier, sich gut mit den entwicklungspsychologischen
Meilensteinen auszukennen).

Es braucht Vertrauen in das Leben. Was es aber vor allem braucht, ist Vertrauen in
Dich.

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